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von webmaster

Elsabeths Müllhalden-Schützlinge

24. Dezember 2013 – Heilig Abend.
Fuettern der Muellhaldenhunde mit Foteini.

Lange halten sich die Eindruecke von gestern. Langes Wachliegen in der „Heiligen Nacht“. An die Tiere da oben denken – ca. 30 km von hier, Philippi. Waere ich naeher dran, koennte ich mit Foteini, die taeglich hinfaehrt, oefter die Tiere versorgen. Wegen der Distanz auch eine Benzinfrage. Wir sind so dankbar, dass wir das Futter haben ueber diese Tage, spontan und unorthodox gespendet von Tierschutzverein Idensen bei Hannover – Michaela und Dietlind.

Foteini - eine Heldin. Wir Tierschuetzer haben ja alle unseren „Bettel“ mit Tieren zuhause, ein jeder ist eine Sackgasse. Tagein, tagaus, Sommer, Winter, Fruehling, Herbst, Weihnachten, Ostern – alle Tage der Kampf ums Futter, um Geld, und wer versorgt sie, sind wir mal 1-2 Tage weg. Foteini hat nicht nur ihre 12 Hunde derzeit zuhause, noch ca. 20 dazu auf einem Grundstueck bei ihr – und dann die Muellhaldenhunde, die vollkommen von ihr abhaengen. Gestern waren es „nur“ ca. 30. Es waren neulich irgendwie an die 60-100, als wir oben waren. Aber gestern ...

Apokalyptische Situation. Sie steckten diese riesige Muellhalde in Brand. Abartiger, bestialischer, grauenvoll aetzender Gestank. Rauch. Brechreiz. Verbrennendes Plastik, verbrennender Menschenmuell aller Kategorien ... Wir hatten keine Masken dabei, konnten kaum atmen. Die Hunde litten alle zuaetzlich, Augenprobleme, klar. Wo waren denn die anderen? In tiefere Berge gefluechtet? Die, die da waren, rannten uns ueberall hinterher. Wir fuetterten alle, Foteini hatte noch Wasser dabei, fuellten die Schuesseln. Sie tranken gierig.

Der Muell – so weit das Auge reicht stinkender Menschenabfall.. Abartig und grausam. Das alles stammt von Menschen. Der Hauptmuellberg ist jetzt eingezaeunt. Noch bis vor 1 Jahr wuehlten Zigeuner darin rum nach Verwertbarem, traten und verletzten die mit ihnen wuehlenden Tiere. Unvorstellbar, was wir Menschen mit diesem Planeten machen, was wir uns erlauben, zu tun gegen Natur und Tier .... Plastik und Dreck ohne Ende einfach in die Natur geworfen. Tierknochen. Die Hunde, ohne Dach und Schutz in diesem Abfall der Menschen. Welpen mit zusammengezogenen Koerperchen, die nie wirklich satt werden durften, kraftlos und lethargisch – Hunger und Durst, voller Angst. Ein Welpe heulte jammervoll in irgendeinem Gebuesch. Fanden ihn. Blutete aus dem am Kiefer – wahrscheinlich hat sich ein Knochenstueck hineingebohrt. Sehr mager. Liess sich nicht fassen, verkroch sich noch tiefer, jammernd und stoehnend, Angst in den Augen. Wir beide verzweifelt ... koennen ihm nicht helfen. Hoffentlich durfte es noch in der Nacht sterben. Hinzu die graue Kaelte, die gestern lastete.

Dann dort: da lagen sie verstreut in dieser Kulisse. 2 grosse tote Hunde und 4 Welpen. 2 der Welpen tot aneinandergekuschelt. Ich weinte einfach drauf los, keine Sprache mehr da, nur noch Traenen. Solch eine absolute, unbeschreibliche Verlassenheit und entwertetes Leben. Diese hatten es also ‚ueberstanden’. Foteini war stumm, wir hielten uns gegenseitig fest und waren froh, einander zu haben. Heute am Telefon schluckte sie ihr Schluchzen weg. Sie sieht das alles jeden Tag.

Was macht uns so fertig? Es ist die Erschoepfung und was wir aushalten durch unser nicht Wegsehen. Tierschutzarbeit hier ist sehr, sehr anstrengend, ohne irgendwelche Anerkennung oder Aussicht auf Veraenderung aufgrund des „Systems“ hier. Und eben, das was in unsere Seelen hinein prallt, weil wir die Sensibilitaet fuer die Tiere in uns haben. Das Gegenteil ist der Fall, wir muessen uns selbst schuetzen, um nicht zu den Gejagten zu werden. Denn, was wir tun, fuehrt irgendwann zu Veraenderungen, und Griechen moegen keine Veraenderungen. Tiere haben keinen Wert. Und Tierschuetzer sind „Stoerenfriede“, sie machen durch ihr Tun auf einen (der vielen) schlimmen Missstand hier aufmerksam, der am Selbstbildnis kratzt. Wir haben damit Probleme bis in unsere Familien hinein. Es ist die Hoffnungslosigkeit aufgrund der Gleichgueltigkeit der meisten Menschen. Es ist eine, ja vollkommene Absenz von barmherzigem Mit-gefuehl fuer unsere Mitbewohner – die Tiere. Daher gibt fuer uns keine Hilfe hier oder Interesse angesichts der Groesse dieses Tierelendes hier in Griechenland. Daher kommt der Spruch: leiden wie die Tiere.
Alles stemmen wir aus eigener Kraft und helfen uns gegenseitig, wenn ueberhaupt moeglich. Man gewoehnt sich im Laufe der Zeit an eine grosse Einsamkeit, arbeitet man mit den Tieren hier. Allerdings dringt in diese Einsamkeit eine Liebe dieser Wesen und ein Leuchten des Lebens – eine Art anderes Licht und Kostbarkeit mit nichts aehnlichem zu vergleichen. Und jedes Gerettete ist eine geschlossene Wunde.

Das haelt uns, das laesst uns (noch) weitermachen, bis jetzt. Die Decke auf der wir stehen ist duenn und bruechig fuer uns selbst.
In meinem Dorf wird ein Haus geraeumt, es sind da viele Decken. Werde sie alle Foteini bringen fuer ihre Hunde. Wir brauchen Futter. Wir selbst verzichten auf alles, was nur geht, denken an den naechsten Tag, den naechsten Sack Futter. Was und wie sollen wir es denn sonst machen? Ich trete fuer die Tiere hier ein seit 1998, Foteini seit ca. 5-6 Jahren. Ich bin 63, sie um die 40.

Ich wuenschte, es gaebe Talk-Shows in Deutschland mit nur dem Thema: Tiere im Sueden. Betroffene muessen zu Wort kommen. Konzepte entwickelt. Konkrete, professionelle Hilfe hier vorort. So viele haben wir schon nach Deutschland und andere Laender geschickt. Eine Kraft und Energie eingesetzt. Aber das hat doch keine Zukunft, wenn wir noch so dankbar sind fuer jedes hier rausgerettete Tierchen. Spendete jeder muendige Buerger hier und dort 1 Euro – damit wuerde sich was machen lassen. Dann allerdings wiederum nur mit Menschen, die auch mit Geld umgehen koennen, von Wirtschaftlichkeit etwas verstehen. Dann waeren wir hier hier beim naechsten Problem. Tierschutz jedoch ist direkte Hilfe fuer den Menschen an der Basis.

Es sieht hier nicht gut aus. Die Menschen haben diese elendige Situation selbst geschaffen, moechten aber dafuer keine Verantwortung uebernehmen. Die ganzen Jahre habe ich in Griechenland eine Verschwendung erlebt, die ihresgleichen sucht. Man hatte einfach Geld. Aber keines, auch nur ein Tierchen zu sterilisieren fuer die 98% der Leute hier.
Weltweit werden so viele Lebensmittel weggeworfen, so viel Wasser verschwendet. Wer denkt schon daran, dass auch Tiere (und Pflanzen, ja alles Leben) durstig sind – Hunger haben. Wenige, nicht wahr, angesichts der Masse? Hier dreht sich alles nur um den Menschen. Das ist zu wenig. Und dass Tierschuetzer tatsaechlich auch Menschen sind, ja wer denkt an das eigentlich? Es intensiviert fuer diese Druck und Leid, das sie empfinden.

Und wieviele solcher unzaehligen Muellkippen gibt es hier im Sueden?
Wir muessen nicht in andere Kontinente reisen, um mit Elend konfrontiert zu werden. Wir koennen das hier in Europa ebenfalls bestens bieten. Es ist vielleicht auf unserem Kontinent nur verborgener. Meine Vermutung.



Soforthilfe für griechische Streuner

Liebe Michaela und liebe Dietlind,
nach Eurem "ok" habe ich mich gleich auf den Weg gemacht. Situation sehr notvoll. Preisvergleiche. Foteini's Quelle 16 Euro 20 kg Trockenfutter. Telefonierte mit meinen engl. Freunden Steve und Christine - beide kamen mir preislich sehr entgegen. (derzeit Geschaeftsaufgabe). Best offer: 12 Euro 20 kg Futter. Ergebnis:
Fuer 200 Euro, die wir von Euch gespendet bekommen:



12 Saecke a 20 kg Trockenfutter fuer die Muellhaldenhunde (150 Euro)
24 kg Katzenfutter von Lidle, davon gehen 8 kg an Foteini, 12 kg an Ursula, 4 kg fuer die Tiere hier bei mir (2 kg Sack, 2,79 Euro)
2 Dosen Nassfutter fuer Hunde&xnbsp; (Lidl)
4 Dosen Nassfutter fuer Katzen (Lidl)
3 Saecke a 1,5 kg Hunde-Friskies fuer die 5 Welpen von Foteini ( 1 Sack 3,79 Euro)
Dazu noch meiner grosser Sack Altbrot, das wir einweichen und mit Futter vermischen.

Alles zusammen ca. 197 Euro. Wir haben alles fotografiert und die Belege schicke ich in Kuerze.
Foteini kam, lud auf, was sie nur konnte. Sie ist so voller Tiere, dass sie oft Hunde sogar in ihrem Auto wohnen laesst. Man kann sich das in Deutschland nicht vorstellen.
Was hier von einzelnen Tierschuetzern geleistet wird sollte Thema&xnbsp; in eine TalkShow in Deutschland sein.

Wir finden kaum Worte fuer unseren Dank. Fuer uns ist Weihnacht, weil wir die Tiere, die wir kennen, fuettern koennen (alle zusammen ca. 150 Tiere). Heilig Abend fuettern wir zusammen auf der Muellhalde. Werden Tee trinken, eine Kerze anzuenden inmitten von dankbarem Leben.

Eure Elisabeth, Foteini, Ursula, Partner und unsere lieben Tiere.


Erneute Geldspende über 200 Euro im Februar 2014, die sogleich in Naturalien umgesetzt wurde: